Der großartige Kiwi und ich waren anlässlich des Zwangsurlaubs zum Jahreswechsel auch verreist. Es war wie immer unheimlich spektakulär und wahnsinnig einmalig. Leider sehe ich mich immer noch außerstande die Fotos anzusehen und zu bearbeiten, denn ich bin übersättigt und habe keinen Bock mehr auf Landschaft. Nun habe ich dort einen Schrank gekauft, und der wurde am Wochenende geliefert.
Wir waren im Süden, dort, wo Männer noch Männer sind. Wo man noch weiß wie man Bäume fällt und nicht viele Worte macht. An manchen Orten dort herrscht ein so erschütterndes Klima, dass auch im Sommer noch Neuschnee fällt. Das ist ein Land für die Harten. Ich fand dort einen alten indischen Schrank bemalt mit Mickey Maus und Donald Duck. Würde ich jetzt aber nicht als typisch für die Gegend bezeichnen.
Heute kam der Prinz William zu Besuch und eröffnete den Supreme Court. Auch wenn das Wort supreme im Zusammenhang mit Neuseeland ein bisschen nach Vorspiegelung falscher Tatsachen klingt, hat man den neuen obersten Gerichtshof so genannt. Bisher hatte man nämlich kein oberstes Gericht. Wenn man hier alle Gerichte durchhatte, ging es in London weiter. Das war zwar kostengünstig, aber irgendwie erschien es im Laufe der Jahre auch ein bisschen albern. Und nun hat Neuseeland also auch seine eigene Judikative bekommen.
Freundlicherweise lud man nun ausgerechnet den Prinzen aus England ein, der das Gericht eröffnen sollte. Es war wohl auch richtig etwas los. Leider spielte mein Büro da gerade auch verrückt und ich konnte nicht hin. Die Rezeptionistin war aber dort und der Prinz hat ihre Hand geschüttelt und gesagt, dass er sich freut hier zu sein, und hinterher hat die Onlineausgabe der Zeitung sie zitiert mit den Worten: Ich liebe ihn, ich liebe ihn, ich liebe seine Mutter. Sie (die Rezeptionistin) war dann auch ein bisschen durch den Wind als sie zurückkam und gab uns allen im Büro die Hand damit wir auch ein bisschen königlichen Glanz abbekommen.
Gestern musste der Prinz in Auckland mit ein paar Zwölfjährigen Rugby spielen und einer hat ihm den Ball genau in den Schritt geschossen und daraufhin sofort laut bemerkt, dass er den Prinzen voll in die Kronjuwelen getroffen hat. Ich vermute, dass das allen sehr peinlich war.
Dann zeig ich heute mal etwas ekliges. Nämlich Whitebait. Whitebait sind kleine Babyfische, von einer Fischart, die ein bisschen wie Forelle ist aber anders. Das ist bestimmt gut gegen Kater und ist eigentlich auch nicht so eklig, wenn nur die Fischchen nicht so nett lächeln würden.
Eines der Ziele, die wir mit unserem Besuch ansteuerten, war Kaikoura auf der Südinsel. Dort gibt es fast nur ausländische Touristen, denn Neuseeländer wissen eigentlich nicht was sie da sollen. Es gibt also junge Rucksacktouristen und Leute die im Campervan 'rumfahren, denn die Flüge hierher sind ja teuer genug, und Japaner in Bussen. Und dann fielen mir immer mal wieder Deutsche mit teuren Polohemden und gemieteten Motorrädern auf, die man in Berlin verprügeln würde weil sie so nach Wohlstand aussehen.
Nur passt das ja alles nicht zusammen. Mir hat an Neuseeland immer am meisten imponiert wie unprätentiös alles ist. In Kaikoura wird zum Beispiel Hummer in Imbissbuden am Straßenrand verkauft. Das mag ich, aber das taugt doch nicht als Schnöselbespaßung. Überhaupt, selbst die besten Restaurants reparieren ihre Deckenlampen hier mit Klebeband und es gibt kaum Chichi-Läden. Man kann hier gar nicht richtig fein sein. Und nun weiß ich nicht, gefällt denen das hier, so in der Barbarei? Oder muss es ihnen gefallen, weil wer so weit fährt findet's mal besser gut? Wenigstens vor den Lieben/der Konkurrenz daheim?
Das andere, was mich beschäftigt hat, waren die Kameras der Leute. Wirklich viele hatten wirklich teure Kameras mit wirklich teuren Objektiven dabei, also rote und goldene Ringe dran. Können die alle so super fotografieren? Sind das alles Berufsfotografen? Oder haben die alle die Kohle bloß übrig? Ist das gerade modern geworden? Dann kann ich ja beruhigt sein.
Nun ist die Vorweihnachtszeit wieder geschafft. Weihnachten fällt ja in Neuseeland mit dem Sommeranfang zusammen. Zumindest in Wellington ist das Wetter entgegen dem Klischee oft eher wechselhaft als sommerlich. Die meisten Büros schließen bis ungefähr Mitte Januar und die armen Angestellten müssen dann alle zwangsweise Urlaub nehmen und dann fahren wir alle hier zur gleichen Zeit in den Urlaub. Das habe ich vor zwei Jahren ja schonmal bemerkt. Leider sind weite Teile der touristischen Infrastruktur, also Restaurants oder Motels, auch im Urlaub und das ist ein bisschen unpraktisch. Es wird auch in diesem Jahr wieder so sein und im Februar, wenn alle wieder im Büro und die Kinder in der Schule hocken, dann wird es richtig Sommer und keiner geht mehr hin.
Sehr schön ist es vor Weihnachten im Büro. Es ist wie früher vor den Sommerferien, nur dass wir statt Mr Bean-Videos zu tief ins Glas gucken.
Weihnachtsgefühle kommen dabei natürlich nicht auf. Am weihnachtlichsten habe ich mich noch beim Einkaufen gefühlt, als Wham lief. Auf eine merkwürdige Art irgendwie. Ich meine das Weihnachtsgefühl, Wham war wie immer.
Hier noch ein Video, in dem der Premierminister dieses unsägliche Snoopy/Manfred von Richthofen-Weihnachtslied im Radio singt. Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass der endlich aufhört so peinlich zu sein.
Das war ja hier ganz schön ruhig, aber jetzt mache ich alles wieder gut. Ganz bestimmt. Der Besuch ist wieder abgereist und ich habe lauter Fotos und auch ein bisschen was zu erzählen. Tierfotos sind auch dabei.
Und heute fangen wir an mit Fotos aus dem immer wieder einmaligen Rotorua.
Paua ist eine Meeresschnecke. Die haben wir den Besuch erst essen lassen und dann haben wir die schönen Schalen gezeigt und dann erst das lebende Tier. War vermutlich die richtige Reihenfolge.
Mann Mann, im Büro übertreffen sich die Freizeitinitiativen. Es gibt zur Zeit Movember (Schnurrbartwachswettbewerb), einen Backwettbewerb, einen Ausmalwettbewerb und zwei Weihnachtsfeiern, eine mit Wichteln und die andere mit Faschingskostüm. Und das in einem Betrieb mit 200 Mitarbeitern. Kreativ-Overkill.
Naja, ich für meinen Teil habe endlich Besuch und weil der Besuch sich nahezu ausschließlich für die Gartenbepflanzung der Nachbarn interessiert, haben sie Wellington (!) mit Südfrankreich verglichen. Nur mit Sturm, jeden Tag.
Nun hat's auch noch geklappt mit der WM-Quali und das war klasse, so als Paarnneunzigste der FIFA Weltrangliste. Viele Leute trugen, als gelernte Neuseelandbürger, weiße Sachen, Maleranzüge, Arztkittel, Selbstgemachtes.
Und bereits zehn Minuten vor Abpfiff standen ganze Blöcke ohne Hemden da. Dabei war's eigentlich ziemlich kalt.
Heute interessieren sich mal alle für Fußball. Normal ja nicht, da gucken immer alle nur Rugby (langweilig) und Cricket (langweilig). Viele Neuseeländer meinen auch dass Fußball (langweilig) ist, aber heute mal nicht. Heute spielt die Nationalmannschaft gegen Bahrain und wer gewinnt fährt nach Südafrika. So underdog Geschichten lieben die Neuseeländer ja sehr.
Man muss auch betrachten wie es dazu kam. Die FIFA hat nämlich eigentlich die Regeln zu Neuseelands Gunsten verändert. Das weiß hier keiner. Früher gab es einen WM-Platz für Ozeanien. Den kriegte immer Australien und gut war's. Jetzt spielt aber Australien die Qualifikation in Asien und es gibt 0.5 WM-Plätze für Ozeanien. Am Ende gibt es dann Relegation zwischen einer asiatischen Mannschaft und einer ozeanischen. Dann fuhren die All Whites (so heißen die) nach Bahrain und spielten 0:0. Und nun kommen die aus Bahrain nach Wellington.
Das wirklich verrückte ist, das Stadion war recht schnell ausverkauft. In Deutschland ist das ja normal, dass sich Stadien ausverkaufen. Hier eigentlich nicht. Hier kann man auch für All Blacks-Spiele noch am selben Abend Karten kaufen. Hier muss man sich fast nie beeilen. Schon gar nicht für Fußball. Für heute abend gibt es schon sein vier Wochen keine Karten mehr. Sogar ich, und ich habe ja solche Sachen normalerweise im Griff, hätte fast keine Karten mehr bekommen. So ein großes Fußballspiel gab es hier noch nie.
Neuseeland hat sich in der Vergangenheit einmal für die Fußball-WM qualifiziert und das war 1982. Dann haben sie alle Vorrundenspiele erwartungsgemäß verloren und sind wieder nach Hause gefahren. Seitdem kamen sie nicht mehr soweit wie dieses Jahr. Immerhin gibt es seit zwei Jahren eine Profimannschaft, die in der australischen A League spielt und nun sind nicht mehr die meisten Nationalspieler Amateure.
Ich arbeite ja nun für eine Regierungsbehörde und dort rufen öfter mal sogenannte Journalisten an und stellen Fragen. Eine, die immer mal wieder kommt, ist: Warum reguliert die Regierung eigentlich nicht die Lebensmittelpreise? Das fing mit den Milchpreisen an, ging dann weiter mit Benzinpreisen und inzwischen fragen sie generell nach Regulierung von Lebensmittelpreisen. Ja, und dann erklären wir immer schön dass man dann ja auch die Lebensmittelherstellung und -distribution regulieren müsste und dann hätten wir Planwirtschaft. Und dann sehe vor meinem geistigen Auge, wie ich nach Bananen anstehe oder unsinnige Rennereien wegen meinetwegen Linoleum habe. Das kann man denen natürlich nicht so erzählen, denn dann steht es am nächsten Morgen in der Zeitung, aber eigentlich sollte man es tun. Ich möchte auch gern mal wissen ob deutsche Journalisten auch solche Fragen stellen.
Ansonsten bekommt Neuseeland Ostalgikern wahrscheinlich sehr gut. Hatte ich mal beschrieben als ich noch recht neu hier war, nämlich hier: 93 Sowas von ostig
Überhaupt rückt der Originalosten auch hier näher. Zum Filmfestival verschiffte das Goethe-Institut einen Trabi und eine DDR-Schrankwand. Den Trabi haben sie hier so im Foyer des Kinos platziert wie wir damals am letzten Schultag einen Trabi in den Eingangsbereich des Schulgebäudes gestellt haben.
Man sollte auch mal das Goethe-Institut lobend erwähnen. Man weiß gar nicht wieviele Beziehungen die retten. Die machen nicht nur guten Deutschunterricht für all die armen Wellingtonians, die irgendwie deutsche Partner erwischt haben, sondern tragen auch zu meiner persönlichen Unterhaltung maßgeblich bei. Oft sind deren Veranstaltungen ein bisschen hochkulturig, aber sie bringen immer mal wieder bekannte Filmemacher nach Neuseeland und das ist auch schön.
Heute begann das deutsche Filmfestival und der beste Kiwi von allen brachte vom Deutschunterricht eine Einladung zur Eröffnungsfeier mit. Ich habe dort eine Frau im Dirndl und einen Trabi auf einmal gesehen und das bekommt man auch in Deutschland nur an besonders erinnerungswürdigen Tagen zu sehen.
Dann spielten wir German spotting und es gab sogar richtige Berliner Schnurrbartmänner. Die haben sie alle eingeflogen.
Und dann hielten viele Menschen lange Reden. Es gab so viele wichtige Wichtel, dass die anwesenden Botschafter und Würdenträger bloß noch im Plural (dear excellencies and dignitaries) angeredet wurden. Am berühmtesten war Lord Chris Patten, der letzte Gouverneur von Hong Kong.
Deutsche Redner versuchten Maoribegrüßungen. Der Sitznachbar fand das sehr höflich und meinte, damit kann nur er gemeint sein als der mutmaßlich einzige Maori im Saal. Die Neuseeländer stammelten auch ein paar deutsche Sätze. Der Kulturminister von Neuseeland redete dann selbstvergessen vom fall of Berlin (2. Weltkrieg, gegen Ende) bis er merkte, dass es fall of the Berlin wall heißen muss, aber das tat der Heiterkeit keinen Abbruch. Also wieder leider nicht bei einer diplomatischen Krise dabeigewesen.
Film war gut. Hieß Novemberkind, ist wahrscheinlich in Deutschland schon ein alter Hut, aber hier müssen sie ja immer erst die Filmrolle einfliegen.