Christchurch also. Die Stadt hat mich irgendwie ein bisschen an Leipzig erinnert. Wahrscheinlich unbegründet, aber von Größe und Dichte her hat das schon gepasst. Christchurch mutete europäischer an als sonst Neuseeland. Es gibt dort eine Kathedrale, die Ende des 19. Jahrhunderts fertiggestellt wurde. Neogotik. Die Kiwis sagen immer es wäre Gotik und dann, voll der Besserwisserarsch, korrigiere ich sie immer und sage, dass es NEO-Gotik heißt. Dann schämen sie sich vor mir mit meiner alten, würdevollen Kultur, und sagen
Yes, of course und räuspern sich leicht, als ob sie das Thema wechseln möchten. Also Neogotik. Sah also schon alt aus als sie sie gebaut haben.
Andererseits kann man die Kathedrale als Zeugnis britischen Zähnezusammenbeißens, auch und gerade unter schwierigsten Bedingungen, verstehen. Man muss sich das mal vorstellen. Die ersten Siedler kamen 1850 mit vier Schiffen aus England. Dass die Stadt Christchurch heißen sollte und eine Kathedrale bekommen sollte, wussten alle schon in England. Nun war es so, dass zwischen dem flachen Land, auf dem man siedeln konnte und dem Hafen ein paar Berge waren. Da mussten dann alle drüber mit ihrem ganzen Kram, den sie so mithatten.
Ein paar Jahre später begann man dann mit der Konstruktion der Kathedrale. Zu dem Zeitpunkt können wirklich nicht viele Menschen in Christchurch gelebt haben und man hat für die Kathedrale Furz und Feuerstein aus dem Mutterland herangeschippert und dann über den Berg geschleppt. Und es ist eine wirklich große Kathedrale (für Südhalbkugel und so, also bitte nicht Kölner Dom denken), aber auch ein bisschen oldskool und schön.