Diese Woche bin ich ja nun am Gericht als
jury.
Hatte ich ja schon hier angekündigt. Am Montag ging es los in einem großen Wartesaal mit hundert anderen zufällig ausgewählten Bürgern. Ich und der restliche Mob von der Straße sollten nun also über Schuld und Unschuld entscheiden. Warum man das nicht Profis überlässt, weiß ich nicht. Zuerst lernten alle das Wichtigste, nämlich man muss unbedingt aufpassen, das die Gerichtsangestellte ein Häkchen neben den Namen macht; sonst wird man nicht bezahlt (ist mickrig). Dann mussten alle Video gucken in dem andere Fußvolkdarsteller von der Wahrnehmung demokratischer Grundrechte redeten. Ich selbst würde mich irgendwie besser fühlen wenn Richter so Gerichtssachen entscheiden und nicht der Mob von der Straße. Ich bin aber überaus überzeugt von meinen eigenen Zucht- und Gesetzqualitäten.
Dann kam ein alter Mann mit einer Lostrommel und eine alte Frau mit einer Lostrommel. Die lasen dann alle hundert Namen vor, in Zeiten von Globalisierung und Multikulti ist das für alle Beteiligten eine große Herausforderung, und warfen die Namen in die zwei Lostrommeln. Es gab nämlich zwei Verhandlungen am Montag.
Und dann trollten wir alle ins Gericht. Die Anwälte und der Richter waren schon da und dann kam der Angeklagte mit Sicherheitsmann und man verlas die Anklage. Dann kam wieder der alte Mann mit der Lostrommel und es wurden Namen gezogen. Wer diesmal gezogen wurde musste zur
jury bench, also wo die Jury sitzt, gehen und eine Bibel nehmen oder keine Bibel nehmen und sich hinsetzen. Aber die Anwälte können auch Leute ablehnen. Das müssen sie aber tun solange die Person noch nicht sitzt. Als sie dann zwölf Leute hatten, wurden die eingeschworen und wir Restbürger konnten wieder gehen.
Heute wollten sie keinen Mob von der Straße, aber morgen müssen alle wieder hingehen und Losbude spielen.