"Im Osten residiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das Elend, im Westen die Unzucht, und in allen Himmelsrichtungen wohnt der Untergang." Das meinte 1930 Erich Kästner über Berlin. Was er damals noch nicht wissen konnte, oben ist DDR.
Der Fernsehturm scheint eine Blase zu sein, in der alles bestens konserviert ist. Ich war da. Die Innenarchitektur ist dankenswerterweise denkmalgeschützt, die Angestellten und Besucher wohl irgendwie auch.
Das Restaurant ist bis Ende Juni scheinausgebucht, also fährt man auf gut Glück hoch. Auch mit Gutschein muss man sich an der Kasse anstellen, aber die Kassiererin lässt sich durch irgendwelche Kunden nicht aus der Ruhe bringen und räumt ihrem Schwätzchen mit der Kollegin die angemessene Priorität ein. Oben angekommen heißt es: stellen Sie sich hinten an, Sie werden platziert. Ich stand zwischen einer russischen Familie und ein paar Sachsen, die irgendwann ihrem Ärger übers Schlangestehen Luft machten.
Ich bekam eine Tischgenossin zugeteilt und die Kellnerinnen waren bis auf eine Ausnahme alle schon da, als ich 1987 zum ersten Mal da oben war.
Und dann machte ich mir so Gedanken:
Zum Beispiel, ob es in Neuseeland Plattenbauten gibt?
Oder:
Wenn die da unten nicht den Palast der Republik abreißen würden, hätte ich gar nicht gemerkt, dass die DDR zu Ende ist. Außer an der Speisekarte, die ist in Euro. Das ist immerhin schon zwei Währungen später.
So Berlin, ich bin da raus, mach's gut.